16. September 2025

Podiumsdiskussion in Steinfurt: Familienberatung zwischen Trotzphase und Kinderschutz

„Auf welche Steine können wir bauen?“ – Mit dieser Leitfrage eröffnete Superintendentin Susanne Falcke am 4. September 2025 die Podiumsdiskussion der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Diakonie WesT in Steinfurt. Viele Gäste aus Fachpraxis, Politik und Zivilgesellschaft waren gekommen, um über Chancen und Herausforderungen der Familienberatung ins Gespräch zu kommen.

Im Mittelpunkt stand das Thema: „Familienberatung – von Trotzphase bis Kinderschutz. Was kann, soll und braucht Beratung?“ Die Bandbreite der Diskutierenden zeigte die Vielschichtigkeit des Themas: Auf dem Podium nahmen Platz die Landtagsabgeordnete Christina Schulze Föcking, Mike Hüsing (Leitung Kreisjugendamt Steinfurt), die Schulleiter Romuald Mevert (Realschule am Buchenberg) und Benedikt Oestreich (St.-Elisabeth-Schule), Claudia Lewejohann (Caritaskindergarten „Der Kleine Prinz“), Tobias Bendfeld und Meike Heumann (Beratungsstelle Diakonie WesT) sowie eine Klientin, die ihre persönlichen Erfahrungen einbrachte.

Wachsende Anforderungen im Kinderschutz

Schon zu Beginn wurde deutlich: Die Arbeit in der Familien-, Kinder- und Jugendhilfe ist anspruchsvoll und sie wird immer bedeutsamer. Die Zahl der Kinderschutzmeldungen steigt kontinuierlich. „Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass das Thema ernst genommen wird“, betonte Mike Hüsing. Gleichzeitig sei die Verantwortung groß und der Personal- und Zeitaufwand hoch.

Christina Schulze Föcking würdigte ausdrücklich die Arbeit der Jugendämter im Kreis Steinfurt: „Hier wird mit Herz und Verstand gearbeitet.“ Um diese Arbeit nachhaltig zu sichern, brauche es aber Unterstützung durch Politik und Gesellschaft – vorgeschlagen wurden mehr klare Leitlinien, duale Studiengänge und der Abbau bürokratischer Hürden.

Lange Wartezeiten – Familien brauchen schnelle Hilfe

Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt waren die langen Wartezeiten auf Therapieplätze. Eine Klientin der Beratungsstelle schilderte eindrücklich, wie Eltern und Kinder über Monate auf Hilfe warten und in dieser Zeit oft auf sich allein gestellt sind. „Man muss als Familie sehr aktiv werden, um überhaupt Unterstützung zu bekommen“, berichtete sie.

Hier kommen Beratungsstellen wie die der Diakonie ins Spiel. „Wir können schnell da sein, zuhören, begleiten und erste Hilfen anbieten“, erklärte Beraterin Meike Heumann. Allerdings könne die Erziehungsberatung nicht alle Probleme allein auffangen. In manchen Fällen brauche es weitergehende therapeutische oder medizinische Unterstützung.

Prävention, Kooperation, Vertrauen

Neben konkreten Hilfen stand auch das Thema Prävention im Fokus. Schutzkonzepte, Sensibilisierung für Kinderschutz und die Rolle der Schulsozialarbeit seien entscheidend, damit Kinder frühzeitig Unterstützung bekommen. „Kinderschutz gelingt nur, wenn alle an einem Strang ziehen – Schulen, Beratungsstellen, Jugendämter, Ärztinnen und Ärzte“, fasste Tobias Bendfeld, Leiter der Beratungsstelle der Diakonie, die Diskussion zusammen.

Am Ende stand der Konsens, dass es verlässliche Strukturen braucht und Menschen, die Kindern und Familien zur Seite stehen. „Worauf können Kinder heute bauen?“, hatte Superintendentin Falcke zu Beginn gefragt. Die Diskussion machte deutlich: Auf starke Netzwerke, auf Fachkräfte mit Herzblut – und auf die Zuversicht, dass sie nicht allein sind.

 

Fotos: Vielen Dank an unsere Kollegin Melina Söllner-Hövels

Zurück zur Übersicht