23. Juni 2022

Notfallseelsorge Münsterland sucht neue ehrenamtliche Mitarbeitende für den Einsatzdienst

Münsterland. Notfallseelsorger*innen und Notfallbegleiter*innen stehen Betroffenen in Krisensituationen wie bei plötzlichen Unfällen und Todesfällen, Großereignissen oder schweren Schicksalsschlägen rund um die Uhr beratend und helfend zur Seite. Die Arbeitsgemeinschaft „Notfallseelsorge Münsterland“ bildet Ehrenamtliche zur/zum Notfallseelsorger*in bzw. Notfallbegleiter*in aus. Im Oktober startet ein neuer Ausbildungskurs.

„Ich bin für Sie da und ich habe Zeit mitgebacht“, lautet ein typischer Satz, mit dem sich Notfallseelsorger*innen und Notfallbegleiter*innen Betroffenen in Krisensituationen vorstellen. Wo Polizeibeamte eine Todesnachricht übermitteln, die Feuerwehr Menschen birgt oder der Rettungsdienst sich um Verletzte kümmert, sind es die Mitarbeitenden der Notfallseelsorge und Notfallbegleitung, die nach Überbringung der Nachricht bei den Betroffenen bleiben, die Verletzten und Angehörigen während der Rettung und in Wartezeiten zur Seite zu stehen, die sich der betroffenen Kinder annehmen oder Angehörige bei der Identifizierung von Toten begleiten. Die Notfallseelsorge in den Kreisen Steinfurt, Coesfeld, Borken und Warendorf ist Teil der Rettungskette und wird auf Anforderung der Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst vor Ort alarmiert. Notfallseelsorge und Notfallbegleitung geschehen unabhängig von Konfessions- oder Religionszugehörigkeit, Hautfarbe oder Weltanschauung.

In emotionalen Schocksituationen beistehen

Bei Notfallseelsorge und Notfallbegleitung gehe es in erster Linie darum, „die Menschen in der hochemotionalen Schocksituation nicht alleine zu lassen“, sagt Pfarrerin Alexandra Hippchen, Landeskirchliche Pfarrerin für Notfallseelsorge und Notfallbegleitung in der Region Münsterland sowie Sprecherin der Notfallbegleitung Münster. Pastoralreferent Martin Remke, Katholischer Notfallseelsorgekoordinator für die Stadt Münster und den Kreis Warendorf, erläutert: Die Intention des meist zwei bis drei stündigen Einsatzes der Notfallseelsorger:innen und Notfallbegleiter:innen sei zum einen, den Betroffenen in ihrem emotionalen Schockerleben beizustehen und ihnen die Sicherheit zu vermitteln: „Das ist normal, was hier gerade mit mir passiert.“ Im zweiten Schritt gehe es darum, die Menschen aus dem emotionalen Erleben und den Ohnmachtsgefühlen heraus in die Handlungsfähigkeit zu holen. Die Verbindung mit den eigenen Ressourcen eröffne Möglichkeiten der Selbstwirksamkeit. Dabei gilt: „weniger ist mehr“. Schon das Kaffeekochen könne eine erste Handlung raus aus dem Schockzustand, zurück ins reale Leben sein.

„Zu 90 Prozent ist es der häusliche Notfall, wenn Menschen vor den Augen ihrer Angehörigen daheim trotz Rettungsversuch der Ärzte versterben“, berichtet Hippchen. Aber auch bei großen Lagen, wie etwa bei Amokfahrten oder Naturkatastrophen, ist die Notfallbegleitung im Einsatz. 66 Einsätze gab es im Jahr 2021 in Münster. In den umliegenden Kreisen sind es deutlich mehr.

Als Notfallseelsorger*in oder Notfallbegleiter*in müsse man mit belastenden Situationen anderer umgehen können, berichtet Ulrich Löser. Der 58-Jährige absolviert aktuell die Ausbildung zum Notfallbegleiter. Zudem sei es hilfreich, selbst schon Krisen und so auch sich selbst in Krisensituationen erlebt zu haben. Personen zwischen 25 und 65 Jahren können die Ausbildung beginnen, weitere formale Voraussetzungen gibt es nicht. „Wichtig ist, dass die Menschen stabil sind und sicher im Leben stehen“, so Remke. „Die Ausbildung setzt auf das, was die Menschen mitbringen.“

Der Grundlagenkurs

Die Ausbildung zur/zum Notfallseelsorger*in bzw. Notfallbegleiter*in dauert etwa eineinhalb Jahre und enthält Theorie und Praxiserfahrungen: Im „Grundlagenkurs“ wird an sechs Wochenenden mit insgesamt 100 Unterrichtsstunden ein bundesweit vereinbartes Curriculum durchgenommen. Inhalte sind beispielsweise Grundlagen der Psychotraumatologie, Gesprächsführung oder die Prävention sexualisierter Gewalt. In Rollenspielen werden die erlernten Techniken eingeübt, ehe auf die Absolvierung des Grundlagenkurses eine Phase begleiteter Einsatzerfahrungen folgt.

Die Ausbildung ist kostenfrei für alle Personen, die sich vor Ausbildungsbeginn vertraglich zu mindestens einem Jahr ehrenamtlicher Mitarbeit verpflichten. Von den ausgebildeten Notfallseelsorger*innen und Notfallbegleiter*innen ist die Übernahme von mindestens 48 Stunden Bereitschaftsdienst pro Monat erwünscht.

Intendiert ist, dass das Team der Notfallseelsorge und Notfallbegleitung die Vielfalt der Gesellschaft abbildet. Unabhängig von Muttersprache, kultureller Herkunft oder biografischem Hintergrund – mit dem Ausbildungsangebot seien ausdrücklich alle Menschen angesprochen, so Remke.

Interessierte können sich per Mail an Pfarrerin Alexandra Hippchen wenden: Alexandra.Hippchen@notfallseelsorge-ekvw.de. Eine Anmeldung für den neuen Ausbildungskurs, der im Oktober 2022 startet, ist bis Mitte August möglich. Weitere Informationen zur Notfallseelsorge und Notfallbegleitung im Münsterland finden Sie unter: https://www.notfallseelsorge-muensterland.de/

 

 

Text: Katrin Lohse, Ev. Kirchenkreis Münster
Foto: Ev. Kirchenkreis Münster

 

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